User:Leoma75988310

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Gespräche wie dieses gehören für Jürgen Michael Schick zur Routine.ebay-kleinanzeigen.de Er mache das gern, sagt er, schon allein, weil es ihm immer wieder Gelegenheit gebe, mit Vorurteilen aufzuräumen. Schick ist Immobilienmakler.youtube.com Nicht irgendeiner, wie schon die rosafarbene Residenz beweist, die seine Firma in einer edlen Alleenstraße in Berlin-Schmargendorf bezogen hat. Und seine aufklappbare Visitenkarte. Und sein Amt als Vizepräsident des deutschen Immobilienverbandes IVD. Er sitzt in einem schwarzen Lederschwinger, am Fenster hält ein weißgrauer Lamellenvorhang allzu grelles Sonnenlicht zurück. Schick hat eine warme, schmeichelnde Stimme, die an nächtliche Klassikradio-Moderatoren erinnert. Er lächelt geübt. Nur manchmal zieht er die Mundwinkel leicht spöttisch nach oben. Ärger und Hass auf seine Branche und Leute wie ihn. Wer den Job des Maklers ausübt, gilt bei den meisten Zeitgenossen als geldgierig und faul. Als einer, der fürs Aufschließen einer Wohnungstür ein paar tausend Euro kassiert. Makler taugen nicht nur als Feindbild für jeden Partytalk. Sie sind in schöner Regelmäßigkeit auch als Buhmann der Politik gefragt. Die SPD etwa nutzt das miese Image der Zunft gerade für eine Kampagne, die wohl auch vom Versagen der eigenen Wohnungsbaupolitik ablenken soll. Schick, der an dieser Stelle fast ein bisschen die Contenance verliert.


Schließlich bauten Makler keine Wohnungen, also hätten sie auch nicht vergessen, welche zu bauen. Andererseits haben viele Deutsche einschlägige Erfahrungen gemacht, die ihr ohnehin angekratztes Maklerbild noch einmal kräftig beschädigt haben. Die Gerichtsurteile füllen längst Bibliotheken. Da geht es um Makler, die Kundenkarteien klauen. Die Beamte bestechen. Die Schrottimmobilien als Steuersparmodelle verscherbeln. Das frappierendste Urteil in diesem Zusammenhang ist jenes, das Maklern erlaubt, es mit der Wahrheit nicht so genau zu nehmen. Bei der Wohnfläche dürfen sie im Exposé übertreiben, solange die falsche Quadratmeterzahl nicht im Mietvertrag auftaucht. Was nicht weniger ist als eine richterliche Einladung an alle schwarzen Schafe, einfach weiter zu tricksen. Verbandsmann Schick wedelt mit ein paar Blättern voller Statistiken, die allesamt belegen, dass Wohnen in Deutschland seit 20 Jahren immer billiger geworden ist. Im Schnitt. Schick ist jetzt in Fahrt. Schicks boshafte Spitze ändert nichts daran: Makler erscheinen vielen als die personifizierten Kollateralprofiteure der Finanzkrise. Menschen, deren Profite quasi automatisch mit den Mieten und Kaufpreisen der Top-Lagen steigen.


Die Leute von der Umzugsfirma, die ein, zwei Tage den Hausrat schleppen, bekommen lediglich einen Bruchteil der Summe, die der Makler kassiert. Und deren Plackerei kann man wenigstens sehen. Zumal bei Städten wie München, Inseln wie Sylt, Top-Adressen wie dem Berliner Kollwitzplatz oder überfüllten Quartieren wie Hamburg-Altona ganz offensichtlich nicht viel Können dazugehört, eine Immobilie teuer loszuwerden - ganz egal, ob zur Miete oder zum Kauf. Was also spräche dagegen, diesen Leuten das allzu leichte Geschäft ein bisschen schwerzumachen? Wenigstens das Prinzip einzuführen, dass derjenige den Dienst bezahlt, der ihn bestellt hat. Philip Bonhoeffer mochte Makler früher auch nicht. Er hat in München seinen ersten Job gehabt, sich mit Dutzenden anderen in Treppenhäusern angestellt, um dunkle Löcher zu besichtigen, die unvermeidlichen Türaufschließer umschmeichelt, verflucht und am Ende doch Courtage bezahlt, ohne recht zu wissen, wofür. Jetzt ist er selbst Immobilienvermittler, wenn auch in einer höheren Gewichtsklasse. Bonhoeffer sitzt in der Lounge von Engel & Völkers (E & V), einer Edel-Makelei, die ihre Kunden in "Classic" und "Premium" aufteilt. Menschen, die 250 000 bis eine Million Euro für eine Immobilie ausgeben. Die Spitze liegt in Hamburg bei Quadratmeterpreisen von 10 000 bis 15 000 Euro. An der Wand seiner Lounge entlang ziehen sich schwarze Lederbänke.


Davor stehen Tische und an den Tischen schwarze Sitzwürfel. Das Licht ist auch hier gedämpft. Er versteht das auch deshalb so gut, weil er und sein Unternehmen sich von diesen Typen durch Qualität absetzen können.linkedin.com Findet zumindest Bonhoeffer, der mit seinem Team für Neubauprojekte in Hamburg zuständig ist. Er hat einige Objekte in der HafenCity vermakelt, was ihn als Partner bei Engel & Völkers in die Top Ten katapultiert hat. Es ist ein exklusives Geschäft, es geht um viel Geld. Und es geht - wie derzeit eigentlich immer in Top-Lagen wie Hamburg - meist mehr darum, den zu umgarnen, der die Immobilie hat, als weniger darum, dem zu schmeicheln, der kaufen will und am Ende die Courtage bezahlt. Das macht die Schizophrenie dieses Berufs aus - und erklärt zugleich das gereizte Verhältnis zwischen Kunden und Dienstleistern. Wer 400 000 Euro für ein Haus ausgibt, zahlt mitunter allein 24 000 Euro an den Makler. Plus Mehrwertsteuer. Gesehen hat der Kunde den Rechnungssteller nur ein paarmal.


Und da soll kein Neid aufkommen? Aber der Immobilienmarkt ist längst gespalten in ein Oben, wo die Preise gen Himmel steigen, und in ein Unten, in dem die Preise eher wegbrechen. Neben den Top-Lagen gibt es ländliche Gegenden, die geradezu entvölkert werden - mit allen Konsequenzen, die das auch fürs Wohnungsgeschäft hat. Heinrich Stenau zum Beispiel ist Leiter der Immobilienabteilung der Volksbank in Nienburg an der Weser, eher der gemütliche als der gelackte Händlertyp. Seine Abteilung pflegt in ihren Aushängen eine Zurückhaltung, die beinahe schon wieder exzentrisch ist, wenn man sie mit der Verkaufslyrik von Stenaus Großstadtkollegen vergleicht. Zu sehen sind da etwa drei Fotos von einem Klinkerbau. Darunter steht: "Schöner Bungalow mit großem Garten", "Kaufpreis 159 000 Euro". Fertig. Oder: "Lichtdurchflutet leben in Marklohe", "Kaufpreis 212 000 Euro". Mehr Informationen stehen da nicht. Scheint nicht wichtig zu sein in Nienburg an der Weser, wie groß und wie alt ein Haus ist, ob es vier Zimmer und zwei Bäder hat, Kamin, Garage, Blick ins Grüne.


Die Käufer hier, sagt Stenau, gingen nicht mit vorbereiteter Checkliste auf Häusersuche. 93 000 Euro kostet eine im Kreis Nienburg vermakelte Immobilie im Durchschnitt. Und auch solche Objekte gehen nicht gerade rasant weg. Von Engel & Völkers in Hamburg bis zur Volksbank in Nienburg sind es mit dem Auto nicht einmal zwei Stunden. Doch dazwischen liegen Welten. Die Mieten in Nienburg bewegen sich pro Quadratmeter zwischen 3,50 und 5 Euro. Riesige Einsiedlerhöfe werden zum Preis eines Mercedes-Kombi angeboten. Und doch will sie kaum jemand haben.youtube.com Es sind Immobilien, die am Ende nicht 40 000 Euro Courtage abwerfen, sondern vielleicht 4000 Euro. Die nicht hundert Interessenten anziehen, sondern mitunter nur einen echten. Die am Ende monatelang zum Verkauf stehen und Dutzende Besichtigungstermine erfordern. Was für ein Kontrast zum Kampf um die Immobilie, wie er in den Großstädten unter Maklern ausgefochten wird! Da gibt es Vermittler, die in den Todesanzeigen nachsehen, wo Häuser frei werden, und in der Straße dann flächendeckend Broschüren verteilen - damit nicht auffällt, dass nur das Trauerhaus gemeint ist. Makler, die mit Scheidungsanwälten kooperieren.


Makler, die dem Eigentümer die halbe Provision anbieten. Der Bereich, in dem Makler den schlechtesten Ruf überhaupt haben, ist der Mietmarkt. Um da an eine Immobilie zu kommen, wird geschmeichelt, geschleimt - und auch gelogen. Als Köder dienen angebliche Interessenten, so pflegeleicht, wie sie jeder Vermieter gern hätte. Frankfurt am Main jahrelang gemacht hat.berlin.de Da suchen immer Kindergärtnerinnen Zweizimmerwohnungen, und angeblich junge Arzt-Ehepaare mit Kleinkind fragen nach dem schmucken Einfamilienhaus. Diese Musterkunden treten zwar am Ende nie in Erscheinung, aber dafür macht der angeblich im Auftrag aktive Makler ein paar Fotos. Hauptsache, die Immobilie ist in seiner Kartei. Und bald kommt er dann mit weniger attraktiven Interessenten um die Ecke. Es sind solche Praktiken, die die Branche endgültig in Verruf gebracht haben. Und es ist die fehlende Qualifizierungsanforderung, die dafür sorgt, dass der Beruf immer noch so anziehend ist für zwielichtige Typen. Makler kann in Deutschland jeder werden (wie übrigens auch Journalist). Wer vermitteln will, muss nur ein Gewerbe anmelden und nachweisen, dass er nicht insolvent oder in den letzten fünf Jahren straffällig geworden ist. Geld nicht immer aufgeht, muss auch mancher erfahren, der bei den großen Marken als Vermittler anfängt. E & V gearbeitet und die Branche nun gründlich satt hat. Von der Courtage bleiben beim Kundenbetreuer, etwa bei E & V, in manchen Filialen nur 25 Prozent hängen - und die müssen oft noch geteilt werden. 12,5 Prozent bekommt derjenige, der die Immobilie ranschafft, 12,5 Prozent, wer den Käufer zur Unterschrift animiert hat. Die Fluktuation unter den Mitarbeitern liege in seiner Firma bei unter 20 Prozent, sagt E-&-V-Vorstand Kai Enders. Das sei ein guter Wert für die Branche. Andererseits bedeutet es, [https://www.sturm-umzuege-berlin.de/ umzuege-berlin.de/ umzuege-berlin] dass rechnerisch alle paar Jahre die komplette Mannschaft ausgetauscht wird. Viele der Frustrierten schlagen sich dann allein durch. Das ist die Ironie, zu der selbst diese eher humorfreie Branche fähig ist: Am Ende züchtet die Edelfirma ihre Einzelkämpfer-Konkurrenz selbst heran.